Sonntag, 17. März 2013

Art Deco Uhren in Frankreich

Französische "Art Deco Round JAZ" Uhr in Messing


Die französische Firma "Compagnie Industrielle de Mécanique Horelogère" (CIMH) in dem Pariser Vorort Puteaux führt gleich nach dem ersten Weltkrieg das Markenzeichen JAZ ein, unter dem sie in der Folge bis 1941 ihre Uhren vertreibt.

Vorgestellt wird hier eine feine französische Art Deco Tischuhr. Sie stammt aus einer Reihe von Deco-Uhren, welche das Unternehmer ab 1934 eingeführt hat.

Das Ziffernblatt besteht aus einem kreisförmigen Messingrahmen und einer Mittelplatte, zwischen denen die Zahlen von beiden Seiten gehalten werden. Der Uhrkörper ist an einem halbkreisförmigen Gestell befestigt und lässt sich horizontal in jede gewünschte Richtung schwenken.

Die Uhr ist etwa 14 cm hoch und 11,5 cm breit. Auf der Vorderseite sind das Markenzeichen "JAZ" und ein kleiner Vogel eingraviert. Das Vöglein soll einen Seidenschwanz symbolisieren. Dementsprechend wurde der eigentümliche Gesang dieses Vogels beim Weckruf nachgeahmt. Man sagt, das Vögelchen als Markenzeichen sei im Jahre 1941 eingeführt worden, als "JAZ" bei den Deutschen wegen seiner Nähe zu "Jazz(-Band)" nicht gerne gesehen war. So hat man versucht, die Assoziation der Käufer vom Logo auf das Vögelchen umzulenken - offenbar mit Erfolg. Auf der Rückseite steht der Vermerk "modèle dépose, Made in France".


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Eco - Echo


Bronzeskulptur "Echo" von Marc Didou, einem bretonischen Künstler und Bildhauer.

Die Skulptur wurde so gestaltet, dass sich der obere Teil der Skulptur in einer imaginären Wasserfläche im unteren Teil zu spiegeln scheint. Der Ausdruck des Mundes und die durch die zu einem Sprachrohr geformten Hände deuten den Titel des Werkes an: "Echo". Und in der Tat, wenn man sein Ohr an das Kunstwerk hält, hört man ein Echo wie das Rauschen eines Baches, unsichtbar, geheimnisvoll und faszinierend!

Die Skulpur befindet sich auf der Via Giuseppe Verdi, Turin, beim "Palazzo Nuovo", dem Sitz der Humanistischen Fakultät der Universität Turin. Sie wurde im Jahre 2005 dort errichtet.

Das Foto wurde am 13.09.2010 erstellt.


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Dienstag, 11. Dezember 2012

Das Flohche


Se huckden friedlich auf e Bank
Der Mond kickt aus e Wolken
Er hat den Schweinsstall ausgemistet
Und sie de Kuh gemolken. 

Nu hat er beide Arm um ihren Hals gekringelt
Dass se man knapp noch puste konnt
So hielt er ihr umzingelt
Se konnt nich auf, se konnt nich wech
Se konnt nicht runterrutschen 

Drum hielt se still, was sollt se tun
Und liess sich von ihm butschen
Er butschte gut und ihr wurd heiss
Ihr Blut fing an zu blubbern
Und inne Brust das kleine Herz
Tat gegen de Rippen schubbern. 

Mit eins da sagt se: Her mal auf,
Ich glaub mir beisst e Floche.
Nun sagt er: Am End doch nich am Popoche?
I wo, hier inne Brust da scheint der grad zu hucken
Ich will nur schnell mir inne Finger spucken. 

E Floh auf ihre Pfirsichhaut,
das konnt er nich verknusen
Drum grabscht er längs dem Medaillon
Tief rein in ihrem Busen.
Er sucht und wiehlt ne ganze Zeit
Denn se war gut gewachsen

Nun hat’ er ihn und wollt’ dem grad verknacksen
Da sagt sie: Halt, gib ihm mal her
Steckt ihm zurück in Busen
Und lächelt siess und unschuldsvoll:
Vielleicht, vielleicht brauch ich ihm wieda.

Ostpreußisches Mundartgedicht


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Wenn Uhren reden könnten ...

L'horloge du palais de la Cité vor der Renovierung im September 2008

Der Quai de l'Horloge ist ein Weg auf der Île de la Cité in Paris. Er führt im 1. Arrondissement an der Seine entlang. Seinen Namen verdankt der Weg einer Uhr am Uhrenturm des Palais de la Cité.

Überquert man den Pont au Change von der Stadt her auf dem Weg zum Palais de Justice, findet man den Uhrenturm auf der rechten Seite des Gebäudekomplexes der Conciergerie, direkt an der Kreuzung Quai de l'Horloge/Boulevard du Palais.

Der 43 Meter hohe quadratische Glockenturm ist naturgemäß ein paar Jährchen älter als die Uhr, die er trägt. Er wurde von König Jean le Bon im Jahre 1353 erbaut. Aber was hat es mit der Uhr an diesem Turm an sich?

Nun, hübsche Turmuhren findet man häufig in den Hauptstädten der Welt. Die Uhr an diesem Glockenturm aber ist etwas ganz Besonderes: Sie ist die älteste öffentliche Uhr in Paris. Alles, was durch die Jahrhunderte hindurch Rang und Namen hatte - Könige, Bischöfe, Obrigkeiten jeglicher Couleur - kamen an dieser Uhr vorbei, wenn sie Ihrer Arbeit, dem Herrschen, nachgingen. 

Die Uhr wurde 1371 unter der Herrschaft von Charles V. installiert und erst im Jahre 1585, also fast 200 Jahre nach ihrer Errichtung, zum ersten Mal restauriert. Dann funktionierte sie weitere 200 Jahre, bevor sie bei der Französischen Revolution zerstört wurde. 1849 erfolgte ihre Restaurierung durch den Uhrmacher Lepaute. Dabei wurden auch die Skulpturen der Uhr originalgetreu nachmodelliert, genau so, wie der Bildhauer Toussaint sie ursprünglich geschaffen hatte.

Natürlich war bei der Restaurierung auch ein neues Glockenspiel für die Uhr fällig. Das Original wurde nämlich drei Jahre nach der Revolution eingeschmolzen, aus Sicht der damaligen Zeit durchaus aus "logischen" Gründen: Gab sie doch in all den vorhergehenden Jahrhunderten die königlichen Hochzeiten, Geburten und Todesfälle zum Besten. Doch die Oberen waren erst einmal verjagt und so konnte man sich auch dieses Reliktes entlegen.

L'horloge du palais de la Cité nach der Renovierung im September 2012

Ein letztes Mal wurde die Uhr in allerjüngster Vergangenheit erneuert. Die beiden Fotos zeigen den Unterschied zwischen Alt und Neu. Die Uhr ist, wie man sieht, mit Inschriften in lateinischer Sprache und dem königlichen Monogramm geziert. Die beiden Skulpturen symbolisieren rechts Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, und links eine Allegorie für das Gesetz. 

Die neue Version wird wohl nun ebenfalls ihre 200 Jahre auf den Buckel kriegen. Dann wird sie ihre Stündlein ein glattes Jahrtausend lang mit allen Höhen und Tiefen französischer Geschichte geschlagen haben, bevor sie irgendwann ihr eigenes letztes Stündlein beschließen wird.


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Donnerstag, 15. November 2012

Die Untersberger Marmorkugelmühlen


Kugeln sind immer eine runde Sache. Wir waren schon total von ihnen fasziniert, als wir noch Kinder waren. 


Sobald die Schule zu Ende war – ich erinnere mich genau – suchten wir einen geeigneten Platz, machten ein Loch, packten unsere Klicker aus und fingen an zu spielen. Zuerst hatten wir ja nur die kleinen hölzernen mit ihren verschiedenen Farben. Die einzelnen Farben entwickelten für jeden von uns eine gewisse Geltung, je nach seinen Vorlieben. Eines Tages aber stieß Ferdinand zu uns und zeigte uns eine seiner wunderhübschen Kugeln. Sie waren viel größer als unsere Holzkügelchen und natürlich schwerer. Sie schillerten und glänzten, sahen aus wie undurchsichtiges Glas, mit Schlieren auf der Oberfläche. Fortan wurden diese Klicker für jeden von uns zu einem Statussymbol und es galt, möglichst viele von ihnen zu besitzen. Möglichst schöne von ihnen natürlich. Es wurde fleißig getauscht, geschummelt, gespielt und manchmal auch ein bisschen geklaut, um diese wertvollen Schmuckstücke in Besitz zu bekommen. Da gab es dann natürlich so manche Lausbuben-Balgerei und manchmal war auch ein blaues Auge mit dabei.

Murmeln bestimmten einen großen Teil unserer Kindheit. Heute weiß ich, dass wir damals mit ihrer Hilfe ganz unbewusst einen Teil unserer sozialen Verhaltensweisen lernten und einübten, die wir später in unsere Erwachsenenwelt übernommen haben. Es waren nicht immer die schönsten Verhaltensweisen, aber für mich ist es trotzdem auch heute noch das Größte, mich an meine Klickerkindheit zu erinnern. Heutzutage sind Klicker ja aus der Mode gekommen – wir spielen nicht mehr sensitiv, mit allen Empfindungen unserer Sinne. Wir lassen spielen vor der Fernsehwand und dem Monitor. Im besten Fall spielen wir Moorhuhn-Jagd und ballern virtuell auf alle möglichen Objekte. Klickern war schöner, verrat ich Euch!

Ja, die hübschen Großen, die aussahen wie undurchsichtiges Glas, sie nannten wir dann nicht mehr Klicker, sondern Murmeln. Einer sagte auch Schusser zu ihnen, aber er kam ja aus ganz einer anderen Gegend und seine Eltern waren zu uns hergezogen. Er war eh ein Außenseiter, aber komischerweise hatte er immer die Schönsten dieser Murmeln. So wurde er eben geduldet und durfte mitspielen.

Eigentlich heißen Murmeln nicht Murmeln, sondern Marmeln. Das erfuhr ich viel später. Aber als Kind war mir das egal, denn ich hatte mir meine unschuldige Neugierde auf später aufgehoben. Diese Marmeln sind in Wirklichkeit Marmorkugeln und es gibt sie überall auf der ganzen Welt (wenn es sie heutzutage noch gibt). Früher jedenfalls wurden sie in Marmorkugelmühlen hergestellt und die gibt es heute (fast) nicht mehr. Sie wurden, die Kugeln, mit Segelschiffen in alle Welt exportiert. Von Bayern aus, wo diese Marmorkugelmühlen existierten, hatte man sie meist nach Rotterdam transportiert. Ein Teil von ihnen landete in London, bevor sie verschifft und nach West- und Ostindien exportiert wurden.

Jeder Segelschifffahrtskapitän freute sich, wenn er eine solche Fracht bekam. Mancher von ihnen hätte am liebsten bei jeder Fahrt eine solche Fracht gehabt. Das hat auch seinen guten Grund, denn diese Kugeln waren außerordentlich schwer und trotzdem benötigten sie wenig Platz. Also deponierte man sie ganz unten in Stauräumen und räumte die andere Fracht, die man zu transportieren hatte, oben drauf. Damit konnte man in idealer Weise das Segelschiff stabilisieren, damit es nicht umkippte, so dass es gegen Stürme und sonstige Unbill der Naturgewalten viel besser geschützt war als marmellose Segelschiffe. So mögen Marmeln wohl gar manches Matrosenleben gerettet haben. Sie besitzen Schönheit und sind ansonsten zu nichts nütze als zum Spielen, denkt man. Dann retten sie Matrosenmenschenleben, hätte man nicht gedacht.

Es waren ja schon nicht gerade wenige Marmeln, die da über die Jahrhunderte versendet wurden. Man hat im Jahr so an die 600 oder 800, manchmal sogar 1000 Zentner dieser Glanzkugeln verschickt. Ein Zentner von ihnen waren 1000 Stück. Ich hab’s niedergeschrieben, rechnen darfst du! Wie viele glückliche Kinder muss es wohl früher gegeben haben, weil sie Klicker spielen konnten! Begann denn Anfangs des 20. Jahrhunderts das Unglück der Kinder, als die letzten Marmorkugeln verschifft wurden, weil es offenbar von da an Wichtigeres zu tun gab, als mit Murmeln zu spielen?

Ich weiß nicht genau, wie viele Marmorkugelmühlen es  in Bayern gab - es mögen noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts so an die 130 Stück gewesen sein - , aber eine von ihnen, die wohl letzte ihrer Art, habe ich vor einigen Jahren im Urlaub  am Untersberg im Berchtesgadener Land kennen gelernt. Alleine die Kraft des Wassers sorgt dort in der Mühlenanlage dafür, dass ganz gewöhnliche Marmorsteine aus den Bergen zu vollkommen runden Marmorkugeln geschliffen werden. Sanfte Kraft und viel Geduld vollbringen so ein Wunderwerk.

Aber was im Leben wird schon ohne sanfte Kraft und ohne viel Geduld zu einem Wunderwerk?


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Mittwoch, 14. November 2012

Ein ganz großer unter seinesgleichen - der Riesenfischer

Riesenfischer - Megaceryle maxima


Wer liebt es nicht, nach Großem zu streben, nach Größerem Ausschau zu halten und über größte, weiteste, schnellste und einmaligste Rekorde zu staunen! Da ist doch der Riesenfischer in ganz guter Gesellschaft.


Alles an ihm ist Größe, gemessen an den vielen anderen Gesellen seiner Art. Die Bezeichnungen, die ihm die Menschen gegeben haben, bringen dies auch als sein Hauptmerkmal zum Ausdruck, von "maxima", von "gigantea", von "Riesen" ist da die Rede. Im englischen Sprachgebrauch ist er gar der "Riesen-Königsfischer", und auch in Africaans wird er als der "Reusevisvanger", der Große Fischfänger, bezeichnet.

Mit seiner Größe von bis zu 46 cm ist der Riesenfischer einer der ganz großen Eisvögel. Er lebt in Afrika südlich der Sahara. Dabei ist er sowohl in den nördlichen Regionen wie in Äthiopien oder im Senegal, aber vor allem auch in Südafrika mit seinen Naturparks anzutreffen. Zu finden ist der Riesenfischer überall da, wo er eine gute Ansitzmöglichkeit für seine Jagd hat. Seine vorwiegende Beute sind Fische, Krebse und Amphibien.

Ein weiteres, was den Jäger auszeichnet, ist seine Geduld. Er ruht oft lange bewegungslos auf seinem Ansitz, um dabei doch genau seine Umgebung und Wasseroberfläche zu beobachten. Sobald er dann die geeignete Beute im Visier hat, schlägt er blitzschnell zu.

Der megaceryle m. maxima lebt überwiegend in offenem, übersichtlichem Gelände, während sich die dunkler gezeichnete Unterart megaceryle m. gigantea in die Regenwälder zurückzieht. Am Übergang vom Regenwald zum offenen Gelände trifft man beide Unterarten an.

Mit seinem Riesenschnabel ist das Tier, wie man sieht, bestens zur Jagd gerüstet. Da lässt sich schon auch das eine oder das andere Mal manch fette Beute an Land bringen. 

Erkennen kann man den Riesenfischer, abgesehen von seiner Größe, an seiner rostbraunen Zeichnung im vorderen Hals- und Brustbereich. Während das Männchen dies als Halsschmuck zur Schau trägt, hat das Weibchen seine braune Färbung weiter unterhalb am Brust- und Bauchbereich. So ist also sehr leicht auch aus größerem Abstand für den Betrachter eine Unterscheidung möglich.

Die Brut findet von August bis Januar statt, wobei hierfür kein Nestbau benötigt wird. Die Vögel legen 3 bis 5 Eier in eine Einbuchtung am Strand ab und brüten dort. Genauer gesagt brütet das Weibchen, das Männchen hält den Brutplatz sauber und schafft die Nahrung heran.

So also ist's recht bei Fischers daheim: Die Frau kümmert sich um die Brut und der Herr des Hauses kümmert sich um Unterhalt und Ordnung. Fehlte dann eben nur noch die Putzfrau zum "allergrößten" Glück!


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Freitag, 14. September 2012

Wo Straßen Kanäle und Kanäle Straßen sind

Quelle: Pinterest

Venedig besitzt ungefähr 175 Kanäle mit einer Gesamtlänge von rund 38 km. Die Hauptverkehrsader ist der Canal Grande, dazu kommen viele Wasserwege außerhalb des historischen Zentrums. Der Gezeitenunterschied betrug früher 60 cm. Durch ein System von Wasserregulationen wurde eine ständige Zirkulation gewährleistet, die die Stadt und das Wasser reinigte. Die Kanäle waren ursprünglich auf etwa 1,85 m Tiefe ausgelegt. Ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert wurden sie bis in die 1990er Jahre allerdings nicht mehr gereinigt. Zudem wurden seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche Kanäle zugeschüttet oder stillgelegt, was sich vielfach an der Bezeichnung „rio terà“ ablesen lässt. So ist etwa die breite Via Garibaldi durch Zuschüttung eines Kanals entstanden, 1776 wurde der Rio de le Carampane zugeschüttet. Heute befindet sich dort ein kleiner Platz.

Doch noch so viele Fakten können den unwiderstehlichen Charme nicht verbergen, den Venedig auf das Gemüt der Menschen legt. Zwar hat eine jede Stadt ihre unverwechselbaren Reize, doch nur Venedigs idyllische Wasser-Straßen machen das Herz ruhig und zugleich die Seele sorgenfrei - einen kleinen Blick hinter die Kulissen muss man freilich wagen.

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